Wie funktioniert das – morgens geerntet & mittags auf den Tisch?

 

Morgens geerntet und mittags auf dem Tisch


Unser Solawi-Acker wird derzeit von zwei Gärtnern bewirtschaftet, die während der Haupsaison Helfer zur Unterstützung haben. Sie bestellen unseren Acker, den wir zu diesem Zweck vom Hof gepachtet haben.

Mit einem Anteil an unserer Solawi darfst Du Dir jede Woche Dein frisches Gemüse abholen. Alles, was die Gärtner ernten, wird unter allen Mitgliedern verteilt.

Die Vereinbarung über den Anteil wird immer für die Dauer eines Jahres geschlossen, damit die Gärtner Planungssicherheit haben. Jedes Jahr kannst Du neu entscheiden, ob Du weiter dabei bleiben, dazu kommen oder aussteigen willst.


Wieviel Gemüse bekommst Du?

Im Augenblick gibt es bei uns große und kleine Anteile. Aller Erfahrung nach entspricht ein großer Anteil ungefähr dem Bedarf zweier erwachsener Personen und ein kleiner Anteil dem eines Single-Haushalts. In einer ertragreichen Saison sind aber auch schon fünfköpfige Familien mit einem großen Anteil mehr als satt geworden. Wie gut das Gemüse gedeiht, das hängt freilich stark vom Wetter ab.

Naturgemäß ergeben sich ein Gemüse-Engpaß im Frühjahr und ein Überschuß vor allem im Spätsommer. Auf diese Weise erfahren wir hautnah, wieviel Ware für den herkömmlichen Handel importiert wird oder aus künstlich beheizten Gewächshäusern kommt, um in der „normalen“ Wirtschaft dem Wunsch der Konsumenten nach einem konstanten Angebot gerecht zu werden.


Wann kannst Du einsteigen?

Unser Wirtschaftsjahr beginnt jeweils Anfang April und endet mit dem März des folgenden Kalenderjahres. (Ursprünglich hat es immer Anfang März begonnen, doch wir haben den Beginn jetzt um einen Monat verschoben.)

Am besten teilst Du uns schon bis Ende November mit, daß Du im nächsten Frühjahr bei uns einsteigen willst. Denn der Anbauplan für die kommende Saison wird schon im Winter erarbeitet, und auch das Saatgut wird ab Dezember bestellt. Wenn die Gärtner bis dahin wissen, wieviele Mitglieder im nächsten Jahr dabei sind, dann können sie verläßlich planen.

Solang Anteile frei sind, kannst Du aber nach Absprache auch während des laufenden Wirtschaftsjahres noch dazu kommen.


Wie hoch ist der Beitrag für einen Anteil?

Vor Beginn jedes neuen Wirtschaftsjahres werden die zu erwartenden Betriebskosten neu berechnet beziehungsweise geschätzt, und geteilt durch die Zahl der Anteile ergibt sich daraus der jeweilige Mitgliedsbeitrag (oder Richtwert).

Der Richtwert für einen großen Anteil beträgt dieses Jahr 95 Euro pro Monat und der Richtwert für einen kleinen Anteil 60 Euro pro Monat.

Der Anteilsbeitrag wird entweder auf einmal oder in monatlichen Raten geleistet. Je mehr Mitglieder ihn gleich zu Beginn auf einmal erbringen, um so weniger Ausgaben für Saatgut und Jungpflanzen muß der Hof vorstrecken.

Die Kosten werden für alle Mitglieder transparent aufgeschlüsselt und können auch jederzeit im Detail eingesehen werden. Alle sollen wissen, wie hoch die Löhne für die Gärtner sind, oder auch die Rechnungen für Saatgut, Jungpflanzen und Geräte, und wofür die Beiträge sonst noch im einzelnen ausgegeben werden.


Was ist eine Bieterrunde?

Neu eingeführt haben wir dieses Jahr eine sogenannte Bieterrunde, wie sie auch in anderen Solawis üblich ist. Auf diese Weise soll ermöglicht werden, dass auch Interessierte mit kleinem Geldbeutel Mitglied sein können und die Differenzbeträge von besser situierten Mitgliedern (anonym) getragen werden.

Die Bieterrunde wird üblicherweise im Winter durchgeführt. All diejenigen, die in der folgenden Saison einen Anteil haben möchten, nehmen daran teil. Sie erfahren dort, welches Budget die Gärtner für das ganze kommende Jahr errechnet haben. Dann darf jeder ein selbst gewähltes Gebot für seinen Monatsbeitrag auf einen Zettel schreiben. Wird nachher beim Zusammenzählen aller Gebote das genannte Budget erreicht, dann war die Runde erfolgreich. Ergibt sich ein Fehlbetrag, dann wird die Runde so häufig wiederholt, bis es allen zusammen gelingt, das erforderliche Budget aufzubringen.


Wann und wie holst Du dein Gemüse ab?

Das Gemüse, das reif ist, wird während der Hauptsaison (das kann von Mai/Juni bis Oktober/November sein) in der Regel zweimal wöchentlich und in der Nebensaison einmal wöchentlich morgens geerntet. Die Ernte wird in ein Depot in der Waldseer Innenstadt geliefert und kann dort ab mittags abgeholt werden.

Jedes Mitglied entnimmt dann dem Lieferschein, was ihm zusteht, und zählt oder wiegt sich sein Gemüse demgemäß ab. Wenn Du am Tag der Ernte keine Zeit hast zu kommen, kannst Du Dein Gemüse auch an einem anderen Tag abholen (der Raum ist rund um die Uhr zugänglich).

Es gibt noch eine Tauschkiste. In die kannst Du Dein Gemüse reinlegen, was Du nicht magst und auch anderes Gemüse wieder rausnehmen.



Was passiert, wenn Du in Urlaub fährst?

Selbstverständlich ist es völlig dir selbst überlassen, was Du mit Deinem Gemüse machst. Manche unserer Mitglieder benachrichtigen, bevor sie weg fahren, einen der Gärtner darüber, daß ihr Anteil während ihrer Abwesenheit der übrigen Gruppe zur Verfügung stehen soll. Andere schenken ihren Anteil den Nachbarn, im Tausch dafür, daß diese auf ihr Haus aufpassen. Was mit Deinem Gemüse passiert, darüber entscheidest Du selbst.


Mußt Du auf dem Acker mithelfen?

Wir möchten grundsätzlich jedem die Möglichkeit eröffnen, in unserer Solawi dabei sein zu können – auch denjenigen, die zur aktiven Mitarbeit nicht in der Lage sind. Die Mitarbeit ist daher freiwillig.

Nun ist es halt so: Während des Sommers ist viel mehr Arbeit da, als die Gärtner schaffen können. Es gibt schon ein paar sehr engagierte Mitglieder, die nicht nur bei unseren Gemeinschafts-Aktionen, zum Beispiel bei der Kartoffel-Ernte, sondern auch zwischendurch tatkräftig mit zupacken. Wir freuen uns riesig, wenn es noch mehr werden. Denn wenn kein Gemüse aus Zeitgründen auf dem Acker gelassen werden muß, davon profitiert am Ende natürlich die ganze Gruppe.

Oft hören wir: ... abends noch ein Stündchen zum Hof zu kommen und ein bißchen mit den Händen in der Erde zu wühlen, während am Himmel der Milan ruft und die Bienen summen, das sei ein wunderbarer Ausgleich nach einem langen Tag im Büro. Doch nicht nur den Erwachsenen macht es Spaß, sondern besonders auch den Kindern.

Und für die Mitglieder, die so manch schlummerndes Talent freisetzen wollen oder die einfach jede Menge Energie haben, warten freilich auch abseits von Hacken und Jäten verschiedene Betätigungsfelder. Wir staunen immer wieder, was rund um das Gemüse noch alles entsteht!


Welche Vorteile hat die Gemeinschaft für Dich?

Unsere regelmäßigen Treffen und Aktionen bieten eine Plattform für das Kennenlernen untereinander, für die Besprechung aktueller Themen und für das Entwickeln neuer Ideen und Potentiale.

In der Gruppe lassen sich zum Beispiel überzählige Kohlköpfe prima zu Sauerkraut stampfen oder Rezepte austauschen. Gelegentlich haben Mitglieder sich schon gefragt, ob es für die fünfte Portion Mangold nicht doch mal eine andere Art der Zubereitung geben mag, oder sie waren erstaunt, was eine Haferwurz ist und was man damit machen könnte, und sofern sie das Glück hatten, kundige Mit-Solawis beim Abholen zu treffen, haben sie sogleich Antworten bekommen.

Auch hast Du vielleicht schon einmal überlegt, ins Imkern einzusteigen, das Käsen zu lernen oder dein Wissen über die Verarbeitung von Wolle mit anderen zu teilen – hier findest Du Gleichgesinnte.

Für viele machen gerade diese Synergien den eigentlichen Geist der Solawi aus.


Du möchtest uns besuchen?

Du findest unser Projekt interessant? Möchtest vielleicht einmal unverbindlich den Hof besuchen? Dann sprich uns einfach an. Wir freuen uns darauf, Dich kennenzulernen.